Abschied vom alten Kindergarten

Da fließen die Tränen...

Nun ist fast alles ausgeräumt. Der Betrieb des Kindergartens Maria Goretti findet nun im neuen Gebäude statt. Gemeindereferent Peter Denk und Gabriele Krieger, die den Kindergarten dort selbst als Kind besuchte, liefen ein letztes Mal durch die fast leeren Räume und hielten einige Augenblicke mit der Kamera fest.

Was für ein komisches Gefühl uns da doch beschleicht. Ein Kindergarten ohne Kinder. Natürlich ist der Neubau des Kigas Maria Goretti schick und modern, aber jetzt rücken wir den frischen "Lost place" ins Licht. Vorhang auf für den ehemaligen Kindergarten Goretti! Wir tauchen ein in eine Welt der Kinder, umrahmt von Mauern, die uns schon beim Betreten des verlassenen Kindergartens viele Geschichten über die Kinder der vergangenen 60 Jahre erzählen. So fassten die Kinder diese Mauern mit bemalten Fingern und klebrigen Händen an und machten aus einem gewöhnlichen Stein ein Kunstwerk, wobei natürlich der Anstrich auch seine persönliche Note bekam. Eine Erinnerung an kleine Finger, eine Erinnerung an das Leben eines kleinen Menschen, der noch viel vor sich hatte, oder vor sich haben wird ...
Was für ein melancholisches Gefühl, als wir den Werkbereich betreten. Dort hören wir noch das Sägen und Hämmern der kreativen Köpfe, die sich an dem Holz und anderem Material zu schaffen machen. Unglaublich scheint es auch, dass in den großen Gruppenräumen die kleinen Geschöpfe sich austobten und dabei ein jedes Spielzeug bewunderten. Tja, die Hasenfamilie macht sich nun auch auf den Weg und verlässt das sinkende stolze Schiff. Denn dieser Kindergarten war wie eine Arche, wie ein Paradies. Wenn es draußen stürmte, wenn es in der Welt mit Problemen zuging, fanden die Kinder hier ein Stück Paradies. Davon zeugen die diversen Kunstwerke, welche wir im Keller, auf dem Dachboden und in den verlassenen Gruppenräumen erblicken dürfen.
Der Turnraum ist leer, gut für diverse Übungen, aber langweilig ohne Kinder, die gerade den Plan der Erzieherinnen zunichtemachen, weil sie viel lieber von einer Matte auf die nächste springen. Ja, der Speisesaal verliert langsam seinen Duft. Es roch hier einst nach Gurken, belegten Broten, nach Säften und Tee – und vor allem nach einem, nach Gemeinschaft. Aber dieser Geruch verzieht sich langsam durch das alte Mauerwerk und versteckt sich in dem hoffentlich nicht für immer leerstehendem Gemäuer. Wir öffnen alte Schränke, in der Hoffnung noch Erinnerungsstücke aus der Vergangenheit zu entdecken, doch leergeräumt sind die Zimmer. Ein paar Exemplare schildern uns noch den täglichen Ablauf und erzählen uns, welche Geschichten hier gespielt wurden, welche Helden hier durch die Räume stapften. Waren es früher wahrscheinlich noch Robin Hood, Lucky Luke und furchteinflößende Ritter, waren es in den letzten Tagen Spiderman, Batman oder vielleicht sogar Hulk. Doch eines war es jedes Mal mit Sicherheit: ein jeder wollte für ein paar Stunden ein Held in diesen Gemäuern sein.
So war es für das eine oder andere Kind nicht immer spannend sich an Dalis oder Picassos Erbe heranzuarbeiten, dafür aber in der Bauecke die höchsten Türme und Pyramiden zu erschaffen.
Kleine Tapser können wir auf dem Fußboden entdecken, gerade in der Garderobe. Dort schmecken wir die getrocknete Erde und die Freude, endlich in den Garten zu kommen. Die Spielgeräte sind schon ermüdet, weil die Kinder sich nicht mehr an ihnen hochziehen, an ihnen herunterrutschen, mit ihnen spielen ...

Ein verlassener Ort dieser Kindergarten. Wir haben versucht mit ein paar speziellen Blickwinkeln, Ihnen zu zeigen, wie die Kinder den Kindergarten gesehen haben könnten. Dabei können wir nur durch die Linse eine Vergangenheit erahnen, aber spüren muss man es, wenn man sich durch jeden Gang bewegt. Vielleicht geht ja der eine oder andere in den nächsten Tagen und Wochen an diesem kleinen Paradies vorbei und kann sich erinnern? Vom Dachboden bis zum Keller sind spannende Geschichten zu entdecken, doch die größte Geschichte kann jeder einzelne erzählen, der seine Zeit in diesem Kindergarten als Kind oder als Erwachsener hier verbracht hat.